Du bist müde, willst (wieder) einschlafen. Aber dein Körper spielt nicht mit.
Du wälzt dich hin und her und kommst einfach nicht zur Ruhe. Dein Gedankenkarussell läuft auf Hochtouren – obwohl du so erschöpft bist.

Mir ging es vor Kurzem genau so.


Wenn nachts die Gedanken kreisen

Ich lag nachts um zwei wach. Neben mir mein kleiner Sohn, tief schlafend. Und ich konnte nicht wieder einschlafen. In meinem Bauch saß gefühlt ein Druck, wie ein Stein. Ich wusste auch, warum.

Mein großer Sohn sollte bald am Zahn operiert werden. Uns war noch unklar, ob nur einer raus muss oder gleich zwei. Auch wenn ein Freund von uns, Kieferorthopäde, versucht hat, zu beruhigen: „Man muss es relativ sehen. Ihr tut, was ihr könnt. Gibt Schlimmeres.“

Klar, er hat damit ja immer zu tun. Für mich persönlich eine Horrorvorstellung. 

Gleichzeitig: Chaos mit dem Finanzamt. Zwei komplette Jahrgänge Unterlagen angeblich „nicht rechtzeitig übermittelt“. Bedeutet Schätzungen und Strafgelder.

Meine Buchhalterin war überzeugt, alles korrekt übermittelt zu haben und meinte, es lag an technischen Fehlern. Sie versuchte auch, mir alle Unterlagen zu schicken, war dann aber selbst krank und es gab – wieder – technische Fehler.

Ich bin fast wahnsinnig geworden. Klar, ich hatte mich auch zu sehr auf ihre Zuarbeit verlassen und dass es geklärt wäre, anstatt jedes Mal schriftliche Beweise zu fordern. Mein Versäumnis. Aber es half nichts. Jetzt musste ich es klären.

Beides für sich genommen hätte mir schon genug zugesetzt. Aber zusammen war es wie eine 10 Meter hohe Welle, die du kommen siehst. Und irgendwann lag ich eben nachts öfter wach und spürte den Druck.


Innere Unruhe und Schlafstörungen: den Körper verstehen

Wie funktioniert unser Körper – und was genau passiert eigentlich bei Unruhezuständen?

Wenn du das weißt, kannst du zumindest auf körperlicher Ebene verstehen, warum du nachts nicht abschalten kannst. Das kann schon mal helfen.

Es ist ein biologischer Prozess – gesteuert vom vegetativen Nervensystem.


Das vegetative Nervensystem und der Zusammenhang mit Nervosität

Unser vegetatives Nervensystem steuert alles, was in unserem Körper automatisch abläuft – also Dinge wie Herzschlag, Verdauung und Schlaf. Es besteht aus zwei Hauptanteilen:

  • dem Sympathikus, der uns aktiviert, und
  • dem Parasympathikus, der für Ruhe und Erholung zuständig ist.

Und dann ist da noch das sogenannte Bauchhirn – ein Geflecht aus Millionen von Nervenzellen im Darm, das direkt mit dem Gehirn verbunden ist und stark beeinflusst, wie wir uns fühlen.

Wenn du gestresst bist, ist dein Sympathikus aktiv. Also der Teil des Nervensystems, der für Aktivität und Alarmbereitschaft zuständig ist. Dein Körper steht dann unter Strom: Herzschlag, Atmung, Muskelspannung steigen. Dabei werden Stresshormone ausgeschüttet, die du sicher kennst: Adrenalin und Cortisol.

  • Adrenalin wirkt sofort und kurzfristig (Kampf- oder Fluchtbereitschaft).
  • Cortisol hat in der richtigen Menge mehrere wichtige Funktionen, wird aber bei Dauerstress problematisch: Der Körper baut Muskelmasse ab und verlangsamt den Stoffwechsel. Heißt vereinfacht: Stress macht dick.

Das Problem Dauerstress

Unser Körper ist nicht für Dauerstress gemacht, sondern für einen Rhythmus aus Stress und Erholung. Genau dieser Rhythmus fehlt aber. Wir stehen unter Strom – und sind so im Funktionieren drin, dass wir gar nicht immer merken, wie angespannt wir sind.

Bei Dauerstress laufen andere Körperfunktionen auf Sparflamme: die Verdauung, Regeneration und Schlaf. Dafür wäre der Parasympathikus zuständig. Aber er hat keine Chance. Bei Dauerstress bleibt unser System selbst abends in Alarmbereitschaft.

Und dann gibt’s noch einen natürlichen Punkt in der Nacht, der alles verstärken kann:
Gegen 2–3 Uhr steigt der Cortisolspiegel wieder an. Das ist völlig normal – ein vorbereitender Impuls für den Morgen. Aber wenn dein System insgesamt schon im Stressmodus ist, kann dieser Anstieg reichen, um dich aufzuwecken. Und dann bist du plötzlich wach, voller Unruhe und fragst dich: „Warum zum Himmel kann ich nicht wieder einschlafen?!“

Wenn das dann noch über einen längeren Zeitraum immer wieder vorkommt, ist das ungemein belastend – für den Körper, mental und emotional. Der fehlende Schlaf stresst nicht nur den Körper und unser Gehirn, sondern führt auch zu mehr innerer Anspannung. Das verstärkt dann wieder die Unruhe – ein Teufelskreis.

Als mir dann noch eine Kollegin (rein zufällig) einen Artikel geschickt hat mit dem Titel „Schon eine Nacht mit zu wenig Schlaf stresst das Gehirn unglaublich“, hätte ich heulen können.


Nicht jede Entspannung hilft

Disclaimer: Es kann sein, dass hinter den Schlafstörungen psychische oder körperliche Erkrankungen stecken. Dann würde ich das immer abklären lassen, anstatt es nur mit Achtsamkeitsübungen oder Entspannungstechniken zu versuchen. 

Für die meisten von uns aber liegt der Schlüssel darin:

  • geh an die Ursache für die Unruhe und
  • bring dein überreiztes Nervensystem in die Ruhe. 

Als Yogalehrerin kenne ich den körperlichen Hintergrund zum vegetativen Nervensystem. Letztes und dieses Jahr habe ich drei Bücher von der Biochemikerin Dr. Libby Weaver gelesen, die mir dann aber noch mal wortwörtlich die Augen geöffnet haben, was genau im Körper passiert.

Der kritische Punkt ist der oben erwähnte, unbemerkte Dauerstress:

Auch wenn du denkst, du bist gerade nicht gestresst – dein Körper denkt, du bist in Lebensgefahr.


Mein SOS-Tipp für die Nacht

Ich habe in solchen Momenten vieles ausprobiert.
Manchmal hat eine Meditation geholfen – irgendwann aber nicht mehr.
Der Stress saß nicht nur im Kopf, sondern tief im Körper.

Was mir in einer dieser Nächte wirklich geholfen hat: vom Kopf in den Körper zu gehen mit 15 Minuten sanftem Yin-Yoga.
Yin-Yoga bedeutet keine aktivierende Bewegungen, sondern lange, passive Haltungen mit tiefer Atmung. Das hat meinen Körper beruhigt – und erst dadurch konnten auch meine Gedanken runterfahren. Danach konnte ich wieder einschlafen.

Hier einige meiner Lieblingshaltungen, die auch tagsüber helfen, um mal runterzukommen:


Das funktioniert natürlich nicht für jede Situation und jede Person.

Aber wenn du nachts wachliegst und merkst, dass dein Körper noch im Alarmmodus ist, dann probiere etwas Sanftes, das beides beruhigt: Körper und Geist.


Im nächsten Artikel schauen wir, wie du dein Nervensystem tagsüber stärken und beruhigen kannst – damit es nachts gar nicht erst so weit kommt.
Und wir sprechen darüber, warum es wichtig ist, nicht nur Symptome zu dämpfen, sondern auch den Ursachen auf die Spur zu kommen.

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